Staatsgalerie Stuttgart

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart und gehört zu den großen Kunstmuseen Deutschlands. Malerei, Skulptur und Graphik bilden die Schwerpunkte, besonders umfangreich sind die Bestände zur Klassischen Moderne und zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Zu den bekannten Werken zählen Oskar Schlemmers „Figurinen zum Triadischen Ballett“, Henri Matisses „Rückenakte“, Pablo Picassos Skulpturengruppe „Die Badenden“ und der von Joseph Beuys selbst eingerichtete Beuys-Raum.

Auch die Architektur gehört zum Rundgang: Rund 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verteilen sich auf die Alte Staatsgalerie von 1843, James Stirlings postmoderne Neue Staatsgalerie von 1984 und die 2002 fertiggestellten Steib-Hallen. Seit 2024 bespielt die Staatsgalerie außerdem einen Teil des Kunstgebäudes am Schlossplatz. Drei Bauten aus drei Jahrhunderten und eine Sammlung, die sich während der Sanierung immer wieder neu sortiert: Damit Sie den Überblick behalten, ordnen die folgenden Kapitel Geschichte, Architektur und Ausstellungen – Tickets, Preise und Eintritt folgen am Ende.

Geschichte

Die Staatsgalerie geht auf König Wilhelm I. von Württemberg zurück. Zwischen 1838 und 1843 ließ er von Georg Gottlob Barth ein „Museum der bildenden Künste“ errichten, in dem die Kunstschule, eine Gemäldegalerie und das bereits 1806 gegründete Kupferstichkabinett Platz fanden. 1843 wurde das Museum eröffnet.

Die Sammlungen dienten anfangs auch der Ausbildung an der Kunstschule. Zwischen 1881 und 1888 ergänzte Albert von Bok den U-förmigen Bau um zwei rückwärtige Flügel, 1930 erhielt das Museum den Namen Staatsgalerie. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex 1944 weitgehend zerstört; der Wiederaufbau begann 1946 und war 1958 abgeschlossen.

Für die wachsende Sammlung schrieb man 1977 einen internationalen Wettbewerb für einen Erweiterungsbau aus. Das Londoner Büro James Stirling, Michael Wilford & Associates setzte sich mit seinem Entwurf durch. Die Neue Staatsgalerie entstand von 1979 bis 1984 und wurde am 9. März 1984 eröffnet. Sie erweiterte nicht nur die Räume des Museums, sondern wurde selbst zu einem bekannten Beispiel postmoderner Architektur.

Von 2000 bis 2002 folgte ein weiterer Erweiterungsbau von Katharina und Wilfrid Steib. Seit 2024 trägt die Staatsgalerie außerdem die Betreiberverantwortung für das sanierte Kunstgebäude am Schlossplatz und nutzt dessen vorderen Teil für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Architektur

Staatsgalerie Stuttgart - Außenansicht: Eingangsbereich der Neuen Staatsgalerie von James Stirling©© Staatsgalerie Stuttgart
Eingangsbereich der Neuen Staatsgalerie von James Stirling

Die drei miteinander verbundenen Gebäudeteile der Staatsgalerie stammen aus unterschiedlichen Phasen der Museumsarchitektur. Die Alte Staatsgalerie von Georg Gottlob Barth ist ein klassizistischer Bau des 19. Jahrhunderts, dessen regelmäßige Dreiflügelanlage später durch Albert von Boks rückwärtige Erweiterungen ergänzt wurde.

Einen bewussten Gegensatz bildet die Neue Staatsgalerie. James Stirling und Michael Wilford kombinierten Travertin und Sandstein mit Glas, farbigen Stahlbauteilen und kräftigen Akzenten. Treppen und Rampen führen durch den Komplex und um die offene Rotunde im Zentrum. Seit 2014 gilt der Bau als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

Die 2002 fertiggestellten Steib-Hallen schufen vor allem mehr Platz für die Graphische Sammlung und für wechselnde Präsentationen. Insgesamt verfügt der Museumskomplex über rund 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Das Kunstgebäude am Schlossplatz gehört nicht zum ursprünglichen Museumskomplex. Theodor Fischer errichtete es von 1910 bis 1913 als Ausstellungsgebäude für den Württembergischen Kunstverein und den Stuttgarter Künstlerbund. Charakteristisch sind die Arkaden und die 26 Meter hohe Kuppel mit dem goldenen Hirsch. Nach einer umfassenden Sanierung wurde das Gebäude 2024 wiedereröffnet.

Ausstellungen und Sammlungen

Die Sammlung führt vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Kunst. Deutsche, italienische und niederländische Malerei vor 1800 stehen neben Werken des 19. Jahrhunderts, der Klassischen Moderne, Nachkriegskunst, Fotografie und aktuellen Positionen. Eine umfangreiche Graphische Sammlung und mehrere Kunstarchive ergänzen die Gemälde und Skulpturen.

Bei den älteren Beständen bildet die südwestdeutsche Kunst einen wichtigen Schwerpunkt, dazu kommen italienische Malerei und niederländisch-flämische Werke. Rembrandts „Paulus im Gefängnis“ von 1627 gehört zu den bekannten Gemälden dieses Bereichs und befindet sich seit 1867 in der Staatsgalerie.

Das 19. Jahrhundert verbindet schwäbischen Klassizismus und deutsche Romantik mit französischer Kunst: Caspar David Friedrich, Johann Heinrich Dannecker und Gottlieb Schick stehen unter anderem neben Monet, Renoir, Cézanne und Gauguin.

Besonders profiliert ist die Kunst des 20. Jahrhunderts. Oskar Schlemmer, Henri Matisse, Pablo Picasso, Max Beckmann, Paul Klee und Joseph Beuys zählen zu den zentralen Positionen. Die Staatsgalerie besitzt außerdem einen umfangreichen Bestand an Werken und Archivalien Oskar Schlemmers.

Dauerausstellungen

Staatsgalerie Stuttgart - Ausstellung: Figurinen aus dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer©© Fred Romero, Flickr, CC BY 2.0
Ausstellung: Figurinen aus dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer

Die Sammlungspräsentation folgt grundsätzlich einer kunsthistorischen Chronologie, wird während der Sanierung aber abschnittsweise verändert. Die älteren Bereiche führen durch deutsche, italienische sowie niederländische und flämische Malerei; Rembrandt, Rubens und Hans Memling gehören ebenso zum Bestand wie altdeutsche und altschwäbische Tafelmalerei.

Für das 19. Jahrhundert reicht der Bogen vom südwestdeutschen Klassizismus über die Romantik bis zur französischen Moderne. Caspar David Friedrichs „Böhmische Landschaft“ und Rembrandts „Paulus im Gefängnis“ gehören zu den Werken, die auch im aktuellen Mediaguide der Sammlung behandelt werden.

Im 20. Jahrhundert stehen die „Figurinen zum Triadischen Ballett“ von Oskar Schlemmer, Matisses „Rückenakte“, Picassos „Die Badenden“ und der Beuys-Raum für ganz unterschiedliche Vorstellungen von Körper, Raum und Skulptur. Das „Triadische Ballett“ wurde 1922 in Stuttgart uraufgeführt; die erhaltenen Figurinen verbinden Kostüm, Bewegung und plastische Form.

Während der Sanierungsphase ändert sich die räumliche Zuordnung dieser Bestände mehrfach. Für einen Besuch ist deshalb die aktuelle Sammlungsübersicht des Museums maßgeblich.

Sammlungen

Die älteren Bestände entstanden aus fürstlichem Besitz, kirchlichen und staatlichen Sammlungen sowie späteren Ankäufen. Bei der deutschen Kunst gehören altschwäbische Tafelbilder zu den charakteristischen Gruppen. Die italienische Sammlung wuchs im 19. Jahrhundert vor allem durch den Ankauf der Sammlung Barbini-Breganze.

Im niederländischen Bereich hängen Werke von Hans Memling, Peter Paul Rubens und Rembrandt. Rembrandts „Paulus im Gefängnis“ zeigt den Apostel in einer stillen Gefängnisszene; Buch, Schwert und Licht übernehmen dabei erzählerische und symbolische Funktionen.

Die Klassische Moderne wurde schon früh gesammelt, erlitt aber im Nationalsozialismus durch die Aktion „Entartete Kunst“ erhebliche Verluste. Nach 1945 wurde dieser Bereich neu aufgebaut. Heute zählen Matisse, Picasso, Beckmann, Schlemmer und weitere Künstler des 20. Jahrhunderts zu den Schwerpunkten.

Picassos „Die Badenden“ von 1956 bestehen aus sechs Figuren. Für die ursprünglichen Modelle griff der Künstler auf gefundene Gegenstände und Alltagsmaterialien zurück und setzte deren Formen zu menschlichen Körpern zusammen.

Zur Staatsgalerie gehören außerdem die Graphische Sammlung sowie Archive zu Oskar Schlemmer und Adolf Hölzel, der Nachlass des Kunsthistorikers Will Grohmann und das Archiv Sohm mit Materialien zu Fluxus, Happening und anderen Formen intermediärer Kunst.

Bedeutung und Einordnung

Die Staatsgalerie verbindet eine historische württembergische Kunstsammlung mit einem international ausgerichteten Bestand des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. So lassen sich in einem Haus regionale Kunstgeschichte und zentrale Entwicklungen der europäischen Moderne verfolgen.

Sammlung und Architektur sind hier besonders eng verknüpft. Die Alte Staatsgalerie steht für den Museumstypus des 19. Jahrhunderts, während Stirling in seinem Erweiterungsbau klassische Motive aufgriff und mit Materialien, Farben und Wegeführungen der Postmoderne verband. Die Neue Staatsgalerie ist deshalb selbst Teil der Kunst- und Architekturgeschichte des Hauses.

Die Staatsgalerie erforscht außerdem die Herkunft ihrer Bestände. Provenienzangaben werden zunehmend in der digitalen Sammlung veröffentlicht, ein Schwerpunkt liegt auf Erwerbungen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Mit dem Kunstgebäude hat das Museum während der Sanierung einen zusätzlichen Standort. Dort können Teile der Sammlung zugänglich bleiben, während einzelne Bereiche des Stammhauses modernisiert werden.

Highlights

Je nachdem, wie viel Zeit Sie mitbringen und was Sie suchen, führen unterschiedliche Wege durch die Staatsgalerie.

Wer wenig Zeit hat, konzentriert sich auf die Kunst des 20. Jahrhunderts. Vier Stationen stehen für das Profil des Hauses:

  • Oskar Schlemmers „Figurinen zum Triadischen Ballett“: Das Bühnenwerk wurde 1922 in Stuttgart uraufgeführt, die Figurinen übersetzen den menschlichen Körper in geometrische Formen und ungewöhnliche Materialien.
  • Henri Matisses „Rückenakte“: Die zwischen 1909 und 1930 entstandene Werkgruppe zeigt, wie Matisse die Rückenfigur über einen langen Zeitraum vereinfachte und neu formulierte.
  • Pablo Picassos „Die Badenden“: Die sechs Figuren von 1956 entstanden aus Formen gefundener Gegenstände, die Picasso zu einer Gruppe am Strand zusammensetzte.
  • Der Beuys-Raum: Joseph Beuys richtete ihn persönlich ein. Zu den Arbeiten gehört die mehr als 15 Meter lange Installation „dernier espace avec introspecteur“ aus Gips, Bienenwachs, Filz, Stahl und weiteren Materialien.

Wer Alte Meister sucht, findet in Rembrandts „Paulus im Gefängnis“ von 1627 ein frühes Beispiel für dessen ausgeprägte Lichtführung. Das Gemälde gehört seit 1867 zur Sammlung.

Wer die deutsche Romantik mag, sieht in Werken wie Caspar David Friedrichs „Böhmischer Landschaft“ die deutsche Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts – innerhalb einer Sammlung, die zugleich französische und britische Positionen einbezieht.

Wer sich für Architektur interessiert, nimmt die Neue Staatsgalerie als Objekt für sich: Stirlings Bau von 1984 macht Rotunde, Rampen, Naturstein und farbige Konstruktionselemente unmittelbar erfahrbar.

Das Kunstmuseum Stuttgart führt die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus einer stärker auf die Stadt bezogenen Perspektive weiter – ein Besuch beider Häuser ergänzt sich gut.

Tickets, Preise und Angebote

Die Staatsgalerie befindet sich in einer mehrjährigen Sanierungs- und Modernisierungsphase. Seit Herbst 2026 führen erste Arbeiten zu Einschränkungen in einzelnen Sammlungsbereichen, das Haus bleibt aber zumindest teilweise geöffnet. Ab Februar 2027 wird ein großer Teil der Klassischen Moderne im Kunstgebäude am Schlossplatz gezeigt. Die Sanierung soll nach derzeitiger Planung bis 2034 dauern. Welche Bereiche zugänglich sind, sollten Sie deshalb vor dem Besuch auf der offiziellen Website prüfen.

Für die Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart kosten Tickets 10,00 € für Erwachsene, ermäßigt zahlen Sie 8,00 €. Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre haben freien Eintritt, und mittwochs ist der Besuch der Sammlung für alle kostenlos. Für Sonderausstellungen gelten gesonderte Preise.

Mit der StuttCard ist der Eintritt in die Staatsgalerie einschließlich der Sonderausstellungen kostenlos. Die Karte können Sie vorab online kaufen und damit weitere Museen und Sehenswürdigkeiten in Stuttgart besuchen.

Für den Rundgang durch die Kunstsammlung vom Mittelalter bis zur Gegenwart sollten Sie etwa 2 bis 3 Stunden einplanen.

Museen in der Umgebung von der Staatsgalerie Stuttgart

Die nächsten Stationen liegen im Zentrum der Stadt: Weitere Museen und Kulturorte ergänzen den Schwerpunkt auf Kunst vom Mittelalter bis zur Moderne um andere Sammlungen, Architektur und stadtgeschichtliche Themen.

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Haus der Musik im Fruchtkasten - Stuttgart - Außenansicht: Historisches Spätgotik-Gebäude am Schillerplatz mit Stiftskirche und SchillerdenkmalKIKI-generiert
Haus der Musik im Fruchtkasten

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten der Staatsgalerie in Stuttgart.

Adresse

Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 30-32, 70173 Stuttgart
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Montag geschlossen
  • Dienstag bis Mittwoch
    10:00 – 17:00 Uhr
  • Donnerstag
    10:00 – 20:00 Uhr
  • Freitag bis Sonntag
    10:00 – 17:00 Uhr

Kontakt

Häufige Fragen zur Staatsgalerie Stuttgart

Die wichtigsten Antworten vor dem Besuch: zu Sammlung, Gebäuden, Besuchsdauer und Sanierung.

Was sieht man in der Staatsgalerie Stuttgart?

Die Sammlung umfasst Malerei, Skulptur und Graphik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Kunst des 20. Jahrhunderts mit Schlemmer, Matisse, Picasso, Beckmann und Beuys.

Was ist der Unterschied zwischen Alter und Neuer Staatsgalerie?

Die Alte Staatsgalerie ist der 1843 eröffnete klassizistische Gründungsbau. Die Neue Staatsgalerie wurde 1984 nach Plänen von James Stirling und Michael Wilford eröffnet. Beide gehören zum selben Museum und sind miteinander verbunden.

Welche Werke sollte man besonders beachten?

Häufig hervorgehoben werden Schlemmers „Figurinen zum Triadischen Ballett“, Matisses „Rückenakte“, Picassos „Die Badenden“, der von Beuys eingerichtete Raum und Rembrandts „Paulus im Gefängnis“.

Wie viel Zeit sollte man für die Staatsgalerie einplanen?

Für einen Überblick sind etwa zwei Stunden sinnvoll. Wer Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts, Moderne und Architektur ausführlicher betrachten möchte, plant besser einen halben Tag ein.

Was hat die Staatsgalerie mit dem Kunstgebäude zu tun?

Seit 2024 hat die Staatsgalerie die Betreiberverantwortung und bespielt einen Teil des Kunstgebäudes am Schlossplatz. Während der Sanierung des Stammhauses wird dort ab 2027 auch ein größerer Teil der Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt.

Bleibt die Staatsgalerie während der Sanierung geöffnet?

Ja, das Museum soll während der Sanierungsphase nicht vollständig schließen. Einzelne Bereiche werden allerdings zeitweise unzugänglich sein, und Teile der Sammlung wechseln ihren Standort. Welche Räume geöffnet sind, sollten Sie unmittelbar vor dem Besuch auf der offiziellen Website prüfen.