Haus der Musik im Fruchtkasten

Das Haus der Musik im Fruchtkasten am Stuttgarter Schillerplatz zeigt historische Musikinstrumente aus fünf Jahrhunderten. Rund 400 Instrumente aus der Sammlung des Landesmuseums Württemberg gehören dazu: Cembali, Clavichorde und frühe Hammerflügel ebenso wie Streich- und Blasinstrumente, mechanische Musikgeräte und jüngere Formen der Klangproduktion. Den historischen Schwerpunkt bilden die Tasteninstrumente, deren Entwicklung sich an mehreren seltenen, teils bis heute spielbaren Originalen verfolgen lässt.

Seit 1993 ist die Sammlung im Fruchtkasten untergebracht, unmittelbar gegenüber dem Alten Schloss. Der spätgotische Bau diente über Jahrhunderte als Kelter und Speicher, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wiederaufgebaut. Heute gehören Ausstellung und Musikpraxis zusammen: Ausgewählte Instrumente erklingen bei Konzerten, ein Audioguide ergänzt den Rundgang um Klangbeispiele, und im Klanglabor können Sie selbst experimentieren. Einst sollten Carl A. Pfeiffers Instrumente angehenden Klavierbauern historische Konstruktionen erklären, heute geht es auch ums Hören und Ausprobieren. Dazwischen liegen das Jahr 1901, ein Weltkrieg, ein Umzug und 1993 der Einzug in den Fruchtkasten – diese Stationen führen Geschichte, Architektur und Ausstellungen der Reihe nach aus. Was ein Besuch kostet, steht unter Tickets, Preise und Eintritt.

Geschichte

Die Musikinstrumentensammlung entstand lange vor dem Einzug in den Fruchtkasten. Ihren Grundstock legte der Stuttgarter Klavierbauer Carl A. Pfeiffer, der 1901 dem damaligen Landesgewerbemuseum eine umfangreiche Sammlung historischer Tasteninstrumente übergab. Sein Interesse galt vor allem der technischen Entwicklung des Klaviers, deshalb gehörten neben den Instrumenten auch zahlreiche Modelle zur Mechanik unterschiedlicher Klavierformen zum Bestand.

Später kamen weitere Tasteninstrumente und andere Instrumentengruppen hinzu. Im Zweiten Weltkrieg wurden wesentliche Teile ausgelagert und so vor der Zerstörung bewahrt. Nach der Auflösung des Landesgewerbemuseums übernahm das Württembergische Landesmuseum, das heutige Landesmuseum Württemberg, ausgewählte Bestände.

Ab 1970 waren Teile der Musikinstrumentensammlung im Alten Schloss zu sehen, und der Bestand wurde breiter angelegt. Neben Klavieren, Cembali und verwandten Instrumenten kamen Streich-, Holz- und Blechblasinstrumente sowie Geräte zur mechanischen und später elektronischen Musikwiedergabe dazu.

Eine dauerhafte Lösung fand das Museum im Fruchtkasten am Schillerplatz. Von 1990 bis 1993 wurde das historische Gebäude für die neue Nutzung saniert und umgestaltet; seit November 1993 zeigt das Landesmuseum dort seine Sammlung historischer Musikinstrumente.

Heute umfasst sie etwa 400 Instrumente aus fünf Jahrhunderten, dazu Modelle zur Klaviermechanik und Notenrollen mit historischen Interpretationen bekannter Pianisten. Einige der Tasteninstrumente werden weiterhin bei Konzerten gespielt – sie bleiben also nicht nur als Sammlungsstücke erhalten, sondern auch als Klangkörper.

Architektur

Der Fruchtkasten gehört zu den historischen Gebäuden am Schillerplatz. Erstmals erwähnt wird er 1393 als große herrschaftliche Kelter. Ursprünglich wurden hier Früchte und Trauben verarbeitet, später diente das Gebäude zusätzlich als Speicher für Getreide und andere Vorräte.

Unter Herzog Friedrich I. veränderte sich das Umfeld des heutigen Schillerplatzes grundlegend. Heinrich Schickhardt erhielt Ende des 16. Jahrhunderts den Auftrag, den Platz neu zu ordnen. Dabei wurde ein Teil des Fruchtkastens abgebrochen und die Fassade im Stil der süddeutschen Renaissance überarbeitet. Das Zusammenspiel aus spätgotischem Baukörper und späteren Veränderungen prägt bis heute die historische Einordnung des Hauses.

Bis ins 19. Jahrhundert blieb der Fruchtkasten in unterschiedlichen Funktionen erhalten. Bei den Luftangriffen auf Stuttgart brannte er 1944 bis auf wesentliche Teile der Außenmauern aus, und auch die zunächst erhaltene Giebelfassade war so instabil, dass sie später einstürzte.

Der Wiederaufbau begann nach dem Krieg. Zwischen 1954 und 1956 wurden Fassade und Gebäudezuschnitt rekonstruiert, der Innenraum entstand in der Formensprache der 1950er-Jahre neu. Das Gebäude sollte fortan Büro- und Ausstellungsfunktionen übernehmen.

Vor dem Einzug der Musikinstrumentensammlung wurde der Fruchtkasten von 1990 bis 1993 erneut umgebaut. Heute verteilen sich Konzert- und Ausstellungsbereiche auf mehrere Geschosse. Die Lage zwischen Stiftskirche und Prinzenbau bindet das Haus in das historische Ensemble des Schillerplatzes ein; das Alte Schloss mit dem Stammhaus des Landesmuseums liegt nur wenige Schritte entfernt.

Ausstellungen und Sammlungen

Die Präsentation dreht sich um Instrumentenbau, Klang und musikalische Praxis. Ausgangspunkt sind historische Originale, an denen sich technische Veränderungen und unterschiedliche Möglichkeiten der Klangerzeugung nachvollziehen lassen.

Haus der Musik im Fruchtkasten - Stuttgart - Tangentenflügel: Historisches Instrument von Späth und Schmahl aus Regensburg (Landesmuseum Württemberg), Nachbau von William Jurgenson 1993©© Oscar 0711, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Tangentenflügel von Späth und Schmahl

Eine besondere Stellung nehmen die Tasteninstrumente ein, und das hat mit der Entstehung der Sammlung zu tun: Carl A. Pfeiffers Stiftung von 1901 war ausdrücklich auf historische Klaviere und ihre Mechanik ausgerichtet. Cembali, Clavichorde und frühe Hammerflügel zeigen, wie Instrumentenbauer über Jahrhunderte Klang, Lautstärke und Spielbarkeit veränderten.

Beim Klavier bleibt es aber nicht. Streich- und Blasinstrumente, mechanische Instrumente und Geräte zur Reproduktion von Musik erweitern die Darstellung – und machen auch Entwicklungen sichtbar, die über die klassische europäische Instrumentenfamilie hinausgehen.

Hinzu kommt der Anspruch, Instrumente hörbar zu machen. Ausgewählte historische Stücke kommen bei Konzerten zum Einsatz, und der kostenlose Audioguide ergänzt den Rundgang um Klangbeispiele, darunter Cembali, Blasinstrumente und Instrumente verschiedener kultureller Traditionen.

Für Kinder und Erwachsene bietet das „Kuriose Klanglabor“ einen Gegenpol zum Museumsobjekt hinter Glas: Dort lassen sich akustische Zusammenhänge durch eigenes Ausprobieren erkunden.

Dauerausstellungen

Im Erdgeschoss konzentriert sich die Präsentation auf die Entwicklung der Tasteninstrumente vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Historische Cembali und Hammerflügel stehen für unterschiedliche technische Lösungen, einige Instrumente werden weiterhin in Konzerten gespielt. Zu den besonderen Stücken gehört ein Claude Labrèche zugeschriebenes französisches Cembalo aus der Zeit um 1680. Es zählt zu den wenigen großen französischen Cembali des 17. Jahrhunderts, die weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten sind.

Im ersten Obergeschoss richtet „Unerhört! Musikinstrumente einmal anders“ den Blick auf Instrumente und Klangkörper außerhalb der üblichen Orchesterbesetzung. Bauform und Funktionsweise stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Frage, was überhaupt als Musikinstrument gelten kann.

„Klangwelten mit Migrationshintergrund“ im zweiten Obergeschoss spannt einen zeitlichen Bogen von Renaissance-Instrumenten bis zur mechanischen Klangerzeugung und Musikwiedergabe des 19. und 20. Jahrhunderts. Unterschiedliche Traditionen und Wege musikalischer Instrumente werden miteinander in Beziehung gesetzt.

Das dritte Obergeschoss gehört dem „Kuriosen Klanglabor“. Hier geht es nicht um empfindliche Originale, sondern um eigenes Experimentieren: Die Stationen zeigen praktisch, wie Schwingung, Resonanz und unterschiedliche Materialien den Klang beeinflussen.

Sammlungen

Die Sammlung historischer Tasteninstrumente ist der älteste und profilierteste Bereich. Insgesamt gehören heute rund 400 Musikinstrumente aus fünf Jahrhunderten zum Bestand des Landesmuseums; Cembali und Clavichorde stehen dort neben frühen Hammerflügeln und späteren Klavierformen.

Ein Beispiel für den Instrumentenbau des frühen 17. Jahrhunderts ist das Doppelvirginal „Mutter und Kind“ von Johannes Ruckers, entstanden 1623 in Antwerpen. Es besteht aus einem großen Virginal und einem kleineren, eine Oktave höher klingenden „Kind“; beide Teile lassen sich getrennt oder miteinander gekoppelt spielen.

Aus Frankreich stammt das Claude Labrèche zugeschriebene Cembalo von etwa 1680. Seine weitgehend originale Erhaltung macht es zu einem wichtigen Beispiel des französischen Cembalobaus unter Ludwig XIV.

Die Entwicklung des Hammerflügels lässt sich an Instrumenten verschiedener Werkstätten verfolgen. Vertreten sind unter anderem Johann Andreas Stein, Anton Walter, John Broadwood und Sébastien Érard – und auch die Stuttgarterin Nannette Streicher. Ihr Hammerflügel von 1814 hat sechs Oktaven und vier Pedale. Streicher führte gemeinsam mit ihrem Mann Johann Andreas Streicher eine bedeutende Wiener Klavierwerkstatt und stand in engem Kontakt mit Ludwig van Beethoven.

Neben den Tasteninstrumenten bewahrt das Landesmuseum Orchesterinstrumente des 18. und 19. Jahrhunderts. Hinzu kommen mechanische und elektronische Instrumente sowie Geräte zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Musik.

Ein Phonograph von Thomas Edison aus der Zeit um 1910 steht beispielhaft für den Übergang von der unmittelbaren Klangerzeugung zur Speicherung und Reproduktion. Die Sammlung reicht damit über die Geschichte des Instrumentenbaus hinaus und berührt auch die Entwicklung moderner Musikkultur.

Bedeutung und Einordnung

Das Haus der Musik gehört institutionell zum Landesmuseum Württemberg, hat aber ein klar abgegrenztes Profil. Während das Alte Schloss Archäologie sowie Kunst- und Kulturgeschichte des Landes behandelt, konzentriert sich der Fruchtkasten auf Musikinstrumente, Klang und technische Entwicklungen.

Die Sammlung entstand aus einem konkreten Ausbildungszweck: Carl A. Pfeiffers Instrumente und Mechanikmodelle sollten angehenden Klavierbauern historische Konstruktionen verständlich machen. Dieser technische Blick ist im heutigen Bestand weiterhin erkennbar.

Zugleich werden Musikinstrumente als kulturhistorische Objekte behandelt. Material, Gestaltung und Mechanik erzählen ebenso von ihrer Entstehungszeit wie die Musik, die auf ihnen gespielt wurde. Ein Hammerflügel des frühen 19. Jahrhunderts unterscheidet sich deshalb nicht nur im Klang von einem modernen Konzertflügel, sondern verweist auch auf andere Spielweisen, Räume und Hörgewohnheiten.

Dass ausgewählte historische Instrumente weiterhin erklingen, ist für die Vermittlung besonders wichtig. Klang lässt sich über Beschriftungen oder den Blick auf ein Objekt nicht vollständig erschließen; Konzerte und Audiobeispiele ergänzen die materielle Sammlung deshalb um ihre ursprüngliche akustische Funktion.

Highlights

Einige Instrumente und Bereiche zeigen die Spannweite der Sammlung besonders anschaulich – hier geordnet nach Geschossen, von unten nach oben:

  • Ergeschuss
    Das Claude Labrèche zugeschriebene französische Cembalo entstand um 1680 und ist weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Auch sonst sind die Instrumente hier nicht nur Ausstellungsstücke: Ausgewählte Cembali und Hammerflügel werden bei Konzerten gespielt.
  • 1. Obergeschoss
    „Unerhört!“ versammelt Instrumente und Klangkörper, die sich nicht ohne Weiteres in die vertrauten Gruppen eines klassischen Orchesters einordnen lassen.
  • 2. Obergeschoss
    In „Klangwelten mit Migrationshintergrund“ zeigen Phonographen und andere Geräte, wie Musik seit dem späten 19. Jahrhundert aufgezeichnet und unabhängig von unmittelbar spielenden Musikerinnen und Musikern wiedergegeben werden konnte.
  • 3. Obergeschoss
    Das Kuriose Klanglabor lädt zu eigenen Versuchen mit Klang, Schwingung und Resonanz ein.
  • Im Gesamtbestand
    Das Doppelvirginal „Mutter und Kind“ baute Johannes Ruckers 1623 in Antwerpen; das kleinere Virginal kann separat gespielt oder mit dem größeren Instrument gekoppelt werden. Der 1814 in Wien gefertigte Hammerflügel von Nannette Streicher steht für die Entwicklung des Klavierbaus im frühen 19. Jahrhundert – Streicher gehörte zu den wichtigen Klavierbauerinnen ihrer Zeit.

Der Weg zum Stammhaus ist kurz: Direkt auf der anderen Seite des Schillerplatzes zeigt das Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss weitere kulturgeschichtliche Bestände.

Tickets, Preise und Angebote

Der Eintritt in das Haus der Musik im Fruchtkasten in Stuttgart ist kostenlos. Für den Besuch der Musikinstrumentensammlung des Landesmuseums Württemberg benötigen Sie daher kein Ticket.

Neben der frei zugänglichen Ausstellung finden regelmäßig Konzerte und musikalische Veranstaltungen statt, für die gesonderte Eintrittspreise gelten können. Entsprechende Tickets sind online erhältlich.

Für den Rundgang durch die historischen Instrumentensammlungen und das Klanglabor sollten Sie etwa 1 bis 1,5 Stunden einplanen.

Museen in der Umgebung vom Haus der Musik im Fruchtkasten

Kurze Wege prägen die Umgebung: Das Haus der Musik im Fruchtkasten liegt am Schillerplatz, mitten in der Stuttgarter Innenstadt, und weitere Museen und Kulturorte sind in unmittelbarer Nähe. Nach der Sammlung historischer Musikinstrumente lassen sich dort andere Themen aus Kunst, Geschichte und Kultur anschließen.

Entfernung: 0,13 km

Landesmuseum Württemberg - Stuttgart - Außenansicht: Das Alte Schloss mit seinen imposanten Ecktürmen und Sandsteinfassaden©© Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch
Landesmuseum Württemberg

Entfernung: 0,15 km

Kunstmuseum Stuttgart - Außenansicht: Moderner Glaskubus am Kleinen Schlossplatz mit Jubiläumsbeschriftung Doppelkäseplatte©© Dirk Wilhelmy
Kunstmuseum Stuttgart

Entfernung: 0,72 km

Staatsgalerie Stuttgart - Außenansicht: Klassizistisches Hauptgebäude der Alten Staatsgalerie©© Staatsgalerie Stuttgart
Staatsgalerie Stuttgart

Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktinfos

Um Ihren Besuch im Museum zu planen, finden Sie hier alle wichtigen Informationen zur Adresse, zu den Öffnungszeiten und zu den Kontaktmöglichkeiten vom Haus der Musik in Stuttgart.

Adresse

Haus der Musik im Fruchtkasten
Schillerplatz 1
70173 Stuttgart
Deutschland

Öffnungszeiten

  • Freitag
    11:00 – 17:00 Uhr

Kontakt

Häufige Fragen zum Haus der Musik im Fruchtkasten

Ob man hier Instrumente hören oder selbst ausprobieren darf und wie sich das Haus vom Alten Schloss unterscheidet, klären die folgenden Antworten.

Gehört das Haus der Musik zum Landesmuseum Württemberg?

Ja. Das Haus der Musik im Fruchtkasten ist ein Standort des Landesmuseums Württemberg und beherbergt dessen Sammlung historischer Musikinstrumente.

Wie groß ist die Musikinstrumentensammlung?

Zum Bestand gehören etwa 400 Musikinstrumente aus fünf Jahrhunderten. Hinzu kommen Modelle zur Klaviermechanik und historische Notenrollen.

Welche Instrumente sind besonders vertreten?

Ein Schwerpunkt liegt auf historischen Tasteninstrumenten, darunter Cembali, Clavichorde und Hammerflügel. Streich- und Blasinstrumente sowie mechanische und elektronische Instrumente ergänzen den Bestand.

Kann man historische Instrumente im Museum hören?

Ja. Einige Tasteninstrumente werden bei Konzerten gespielt. Zusätzlich bietet der kostenlose Audioguide zahlreiche Klangbeispiele zu den ausgestellten Instrumenten.

Darf man selbst Instrumente ausprobieren?

Die historischen Originale sind grundsätzlich Museumsobjekte. Im „Kuriosen Klanglabor“ stehen jedoch Stationen bereit, an denen Sie selbst Klänge erzeugen und akustische Zusammenhänge ausprobieren können.

Kostet das Haus der Musik Eintritt?

Der Eintritt in die Ausstellungen des Hauses der Musik ist nach aktueller Angabe des Landesmuseums Württemberg frei. Für einzelne Veranstaltungen können eigene Eintrittspreise gelten.